<h1>Rechtlicher Rahmen für Freiwilligendienste im In- und Ausland</h1>
 

Mit dem Abitur in der Tasche fühlen sich viele junge Erwachsene noch nicht bereit dafür, eine endgültige Entscheidung zu treffen, wie ihr beruflicher Werdegang aussehen soll. Ein sogenanntes Gap Year zwischen dem Schulabschluss und dem Beginn der Ausbildung wird deshalb immer beliebter – noch einmal etwas anderes, neues kennen lernen. Aber auch viele Studenten zieht es während eines Urlaubssemesters nochmal in ein soziales Projekt – vor allem im Ausland. Neben dem klassischen Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) gibt es auch die Möglichkeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) oder einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Hinzu kommt seit 2011 – nach Abschaffung der Wehrpflicht – auch noch der Bundesfreiwilligendienst.

Das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend hat 2008 dafür einen rechtlichen Rahmen geschaffen, um junge Erwachsene vor Ausbeutung zu schützen. Ziel solcher Tätigkeiten soll nicht nur die persönliche Erfahrung sein, sondern auch einen Lern- und Bildungsdienst zu etablieren.

Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr

Bereits 1964 wurde die Gesetzesinitiative für das Freiwillige Soziale Jahr durch den Bundestag verabschiedet. Ziel ist es Jugendlichen und jungen Erwachsenen Einblick in soziale und pflegende Berufe zu geben. Abgeleistet werden kann das soziale Jahr bei Wohlfahrtsverbänden, Einrichtungen von Religionsgemeinschaften, dem Bund, den Ländern und den Gemeinden. Klassischerweise suchen sich die FSJler einen Platz in Kindertagesstätten, Altenheimen, Krankenhäusern oder auch Sportverbänden. Daneben sind aber auch Tätigkeitsfelder in kulturellen Einrichtungen wie Museen oder Theater möglich oder auch der Einsatz in einer Förderschule.

Deutlich jünger hingegen ist das Freiwillige Ökologische Jahr, das meist bei Trägern von gemeinnützigen Organisationen absolviert wird. Mittelpunkt der Arbeit soll ein ökologischer Aspekt sein, etwa durch Tätigkeiten im Naturschutz aber auch bei der Umweltbildung in sozialen Einrichtungen wie Schulen. Stellen gibt es unter anderem auch in der Landwirtschaft oder im Gartenbau. Eher selten gibt es Einsatzmöglichkeiten im Ausland.

 Mehr zu FSJ und FÖJ http://www.gesetze-xxl.de/jugendfreiwilligendienstegesetz-jfdg-vom-16-05-2008-bgbi-i-s-842/

Beiden Programmen gleich ist die Mindestdauer von sechs Monaten; das FSJ kann bis zu 18 Monate lang sein, das FÖJ allerdings höchstens 12 Monate. Außerdem erhalten Teilnehmer beider Programme durch zusätzliche Seminare tieferen Einblick in Fachgebiete und erlernen hier zusätzliches Wissen. Der rechtliche Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres sieht außerdem vor, dass die jungen Erwachsenen zusätzlich pädagogisch betreut werden – auch und vor allem durch individuelle Betreuung. Ebenfalls bei beiden durch das Gesetz zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten geregelt ist, dass ein solches Jahr nur bis zur Vollendung des 27.lebensjahres abgeleistet werden kann.

Hinzu kommt, dass bei beiden bis zum 25. Lebensjahr das Kindergeld und der Kinderfreibetrag weiterhin bezogen werden kann. Sowohl FSJler als auch FÖJler sind gesetzlich sozialversichert und die Träger kommen für die Sozial- und Krankenversicherungen auf. Je nach Einsatzort erhalten die Freiwilligen außerdem noch ein monatliches Taschengeld oder aber Unterkunft und Verpflegung.

Freiwilligendienst im Ausland

Zunehmende Globalisierung und kosmopolitisches Lebensgefühl veranlasst viele der Freiwilligen sich eine Stelle im Ausland zu suchen. Die Vielfalt der Tätigkeitsfelder bei einem Freiwilligendienst im Ausland reicht von Entwicklungshilfe in Afrika, über Lehrer-Assistenz in Südamerika bis hin zu Einsätzen in kulturellen Einrichtungen in Europa oder Asien. Sowohl das Freiwillige Soziale wie auch das Freiwillige Ökologische Jahr kann laut Gesetz im Ausland abgeleistet werden. Hierbei soll der „Dienst für Frieden und Versöhnung“ im Mittelpunkt stehen.

Zusätzlich gibt es aber auch noch die Möglichkeit mit dem Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung „weltwärts“ ins Ausland zu gehen. Ganz klar im Fokus steht auch hier freiwillige Arbeit und Hilfe in Entwicklungsländern. Gemeinsam mit verschiedenen Trägern werden Tätigkeiten weltweit vermittelt. Allerdings wird bereits vor und auch nach dem Einsatz ein „entwicklungspolitisches Engagement“ erwartet. Welchen Umfang dies haben soll, wird allerdings nicht deutlich gemacht. Ebenso ist man verpflichtet an begleitenden Veranstaltungen der Entsendeorganisation teilzunehmen – welche aber auch ein fachliches und pädagogisches Begleitprogramm darstellen. Einen rechtlichen Rahmen gibt es nicht, allerdings Richtlinien zur Umsetzung des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes „weltwärts“. Allerdings werden in dieser festgehalten, dass Freiwillige während ihrem Einsatz eine ausreichende Auslandskrankenversicherung sowie eine Unfallversicherung erhalten.

Daneben gibt es einen zusätzlichen Auslandsdienst, der sich „kulturweit“ nennt und das Pendant des Auswärtigen Amts in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission e.V. ist. Hier steht die „auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“ im Mittelpunkt: die Freiwilligen werden vor Ort in kulturellen Einrichtungen oder auch Bildungseinrichtungen eingesetzt. Dennoch ist auch hier das Ziel neben der interkulturellen Verständigung das zivilgesellschaftliche Engagement junger Erwachsener zu fördern. Interessant dabei sind die namhaften Partner dieses Programms, die Freiwilligen-Stellen anbieten: der Deutsche Akademische Austausch Dienst, das Deutsche Archäologische Institut, die Deutsche Welle, das Goethe-Institut, der Pädagogische Austauschdienst und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen. Zusätzlich kommt noch die UNESCO-Nationalkommission als Träger hinzu. Ferner gilt kulturweit als Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland und ist somit ebenfalls durch das oben genannte Gesetz rechtlich geregelt.

Der Bundesfreiwilligendienst

Nachdem die Aussetzung des Wehrdienstes beschlossene Sache war und somit auch der Zivildienst ausrangiert wurde, hat die Bundesregierung 2011 ein neues Programm initiiert: den Bundesfreiwilligendienst. Er sollte die Antwort darauf sein, dass nach dem Aus für den Zivildienst, viele soziale Einrichtungen Engpässe befürchtet und auch viele Bürger weiterhin gerne einer sozialen Tätigkeit nachgehen wollten. Der Unterschied zum Freiwilligen Sozialen und Ökologischen Jahr besteht darin, dass hier auch Menschen jenseits des 27. Lebensjahres teilnehmen dürfen. Die Förderung des bürgerlichen Engagements in sozialen Bereichen steht hier im Mittelpunkt.

Rechtlich wurde der Bundesfreiwilligendienst im Bundesfreiwilligendienstgesetz abgesichert. Es sieht unter anderem vor, dass der Dienst nicht länger als 12 Monate andauern darf und die Arbeit in der Regel in Vollzeit erfolgt. Auch sind nicht nur gemeinnützige, sondern auch allgemein gemeinwohlorientierte Institutionen als Träger möglich. Auch alle Regelungen bezüglich der Sozialversicherungen sind dem des Jugendfreiwilligendienstes gleich.

Die gesetzliche Grundlage für den Bundesfreiwilligendienst: http://www.gesetze-xxl.de/bundesfreiwilligendienstgesetz-bfdg-vom-28-april-2011-bgbi-i-s-687/

Resümee

Jugendliche und junge Erwachsene, die sich sowohl im In- als auch Ausland sozial- oder zivilpolitische engagieren wollen, finden vor allem auf staatlicher Basis einige Dienste und Angebote. Generell sollte bei der Auswahl darauf geachtet werden, dass durch entsprechende gesetzliche Rahmen der Sozialversicherungsstatus gesichert ist. Hinzu kommen Fragen nach einer Unkostenerstattung, Reisekostenbezuschussung oder auch einem „Taschengeld“ vor Ort. Auch sollten sich junge Erwachsene unter 25 für einen Dienst entscheiden, bei dem ihnen weiterhin Kindergeld gewährt wird. Leider kann aber kein rechtlicher Rahmen dafür garantieren, dass die Aufgaben und Tätigkeitsfelder vor Ort dann angemessen sind.

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