<h1>Das Gesetz zur Winterreifen-Pflicht und seine Folgen</h1>
 

Schon seit 2010 besteht die Änderung der StVO (Straßenverkehrsordnung) bezüglich der Verwendung von Winterreifen. Der Paragraph 2 Absatz 3a legt fest, dass ein Kraftfahrzeug bei winterlichen Verhältnissen wie Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte, nur mit Reifen gefahren werden darf, welche in Anhang II Nummer 2.2 der Richtlinie 92/23/EWG beschriebenen Eigenschaften erfüllen. Vorgeschrieben wird damit, dass das Laufflächenprofil und die Struktur von M+S-Reifen so angefertigt sein müssen, dass sie auf frischem oder schmelzendem Schnee oder auch Matsch, günstigere Fahreigenschaften garantieren als herkömmliche Reifen. Alle Winter- und Ganzjahresreifen – oder auch Allwetterreifen – die mit der M+S-Kennzeichnung und/oder einer Kennzeichnung mit dem Bergpiktogramm/Schneeflocke versehen sind, erfüllen die im Gesetz bestimmten Anforderungen. Anhänger müssen nicht mit Winterreifen ausgestattet sein, gesetzlich ist das nur für Kraftfahrzeuge vorgeschrieben. Auch ist das Parken mit Sommerreifen durchaus möglich. Die gesetzliche Verordnung bezieht sich auf das Fahren, nicht das Parken.

Die Wetterverhältnisse entscheiden

Einen festen Zeitraum für die Winterreifen-Pflicht gibt es nicht. Die Vorschrift bezieht sich auf die gegebenen Wetterverhältnisse. Aus Gründen der Sicherheit wird jedoch der Zeitraum von Oktober bis März/April empfohlen, dann kommen die Sommerreifen drauf. Bei Verstoß muss mit einem Bußgeld in Höhe von 40 Euro und 1 Punkt im Verkehrszentralregister gerechnet werden. Es reicht schon eine Behinderung des Verkehrs aufgrund unzureichender Bereifung bei winterlichen Wetterbedingungen. Dann steigt das Bußgeld sogar auf 80 Euro an und ergibt einen zusätzlichen Punkt im Verkehrszentralregister in Flensburg. Bei einem Verstoß ist einzig und allein der Fahrer verantwortlich und nicht der Fahrzeughalter. Kommt es zu einem Unfall aufgrund der Verwendung von Sommerreifen bei den entsprechenden Wetterverhältnissen, kann das zu einer nicht zu vernachlässigen Leistungskürzung von Seiten der Kaskoversicherung führen. Ebenso hat dies beachtliche Auswirkungen auf die Haftpflichtversicherung. Hier kann es im Fall eines Unfalls durch die erhöhte Betriebsgefahr zu einer Mithaftung des Geschädigten kommen. Dies tritt auch dann ein, wenn das Verschulden durch den Unfallgegner verursacht wurde.

Auch für Gäste gilt die Vorschrift

Kommt man als Urlauber nach Deutschland, ist die Vorschrift ebenso für Kraftfahrzeuge mit einer ausländischen Zulassung bindend. Über eine entsprechende europaweite Regelung zur Kennzeichnung von Winterreifen wird diskutiert. Bei Mietwagen ist zu beachten, dass Winterreifen als Zusatzausrüstung von den meisten Autovermietern angeboten werden. Diese sind dazu verpflichtet, ein verkehrssicheres Fahrzeug bereit zu stellen. Schon bei der Reservierung sollte jedoch abgeklärt werden, ob das gewünschte Fahrzeug mit Winterreifen ausgestattet ist.

Sommerreifen nur in Ausnahmefällen

Ist infolge einer Panne ein Reifenwechsel notwendig und es steht nur ein Sommerreifen zur Verfügung, ist die Verwendung als Notbehelf zulässig. Bei der nächst möglichen Gelegenheit muss allerdings ein Wechsel mit einem Winterreifen erfolgen.

Fazit: Das Risiko eines Bußgeldes geht ein, wer bei „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte“ dennoch mit Sommerreifen fährt. Können Fahrten bei diesen Wetterverhältnissen vermieden werden, kann auch weiterhin im Winter mit Sommerreifen gefahren werden, was in Regionen mit geringen winterlichen Wetterereignissen eine Rolle spielen kann.

Bild: Michael Hornak / sxc.hu

Rechtlicher Hinweis:

Die auf dieser Webseite veröffentlichten Information und Gesetze können veraltet oder fehlerhaft sein. Für Vollständigkeit und Korrektheit übernehmen wir keinerlei Garantie!

Gesetze-XXL.de dient der allgemeinen Bildung und Information, nicht der Beratung bei individuellen rechtlichen Anliegen.

Sämtliche Inhalte sind ständigen Veränderungen unterworfen.

Verwenden Sie Gesetze-XXL.de nicht für rechtliche Einschätzungen!

Wenden Sie sich wegen Ihres Anliegens an einen Anwalt oder an eine Beratungsstelle.

Neueste Artikel

Casinobetrug im Internet: Kann man sich schützen?

Casinobetrug im Internet: Kann man sich schützen?

Casinos im Internet haben sich im Laufe von wenigen Jahren von einer kleinen Nische des Glücksspielmarktes zu einer immer beliebteren Alternative entwickelt. Immer...

 

Privatinsolvenz 2014: So wirkt sich die Insolvenzrechtsreform aus

Am 1. Juli 2014 ist die sogenannte zweite Stufe der Insolvenzrechtsreform in Kraft getreten. Die neue Rechtslage verspricht auf den ersten Blick Vorteile durch...

 

Wann dürfen Autofahrer auf Sommerreifen umstellen?

Korrekte Bereifung stellt viele Autofahrer zu jedem Jahreswechsel vor Unsicherheiten. Andere Fahrer gehen Risiken ein, wenn sie zu früh auf Sommerreifen umrüsten....

 
Die Aufgaben eines Notars

Die Aufgaben eines Notars

Der Notar ist einer der Berufsstände, den jeder kennt aber von dem die Meisten nur eine grobe Vorstellung über das Tätigkeitsfeld besitzen. Am ehesten weiß man...

 

Haftpflichtversicherung für Studenten und Auszubildende

Der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung ist in jedem Lebensabschnitt zu empfehlen. Unfälle oder kleinere Missgeschicke können immer und überall passieren,...